Ein Blick in die Welt der Farben: Farbsehstörungen und Farbenblindheit (Ursachen & Symptome)

Die Fähigkeit, die Welt in all ihren bunten Nuancen wahrzunehmen, ist für viele selbstverständlich. Doch für Menschen mit Farbsehschwäche eröffnet sich eine andere Sichtweise. Hier tauchen wir ein in die Welt der Farbsehschwäche, erklären, was diese Anomalie genau ist und beleuchten die verschiedenen Formen, von der Rot-Grün-Sehschwäche bis zur Blau-Gelb-Sehschwäche. Verstehen Sie die genetischen Ursachen, die hinter dieser speziellen Art der Farbwahrnehmung steckt und erfahren Sie, welchen Einfluss sie auf den Alltag haben kann. Von den Herausforderungen im täglichen Leben bis zu innovativen Lösungen und Hilfsmitteln

Was versteht man unter Farbsehstörungen?

Eine Farbsehschwäche, auch als Farbenblindheit bezeichnet, ist eine angeborene oder erworbene Störung der Farbwahrnehmung, bei der bestimmte Farben nicht korrekt erkannt oder unterschieden werden können. Dies resultiert aus einer Beeinträchtigung der Fotorezeptoren im Auge, die für die Umwandlung von Lichtreizen in elektrische Signale verantwortlich sind.

Die häufigste Form der Farbsehschwäche ist die sogenannte Rot-Grün-Sehschwäche, bei der es Schwierigkeiten gibt, zwischen den Farben Rot und Grün zu unterscheiden. 

Die Schwere der Farbsehschwäche kann von milden bis zu schweren Fällen variieren, und in einigen Fällen kann eine vollständige Farbenblindheit vorliegen. 

Es ist wichtig zu betonen, dass Farbsehschwäche nicht mit Blindheit im herkömmlichen Sinne gleichzusetzen ist. Menschen mit Farbsehschwäche können oft gut sehen, haben jedoch Schwierigkeiten, bestimmte Farben zu unterscheiden. In vielen Fällen können spezielle Brillen, Kontaktlinsen oder technologische Hilfsmittel die Farberkennung verbessern und die Lebensqualität der Betroffenen erhöhen.

Welche Ursachen hat Farbenblindheit?

Um die Farbenblindheit zu verstehen, müssen wir verstehen, wie das menschliche Augen Farben überhaupt wahrnimmt. Zentral daran beteiligt sie die zwei Arten von Fotorezeptoren, die wir auf unserer Netzhaut (Retina) haben: 

  • Stäbchen 
  • Zapfen 

Diese nehmen das Licht auf und wandeln dieses in elektrische Signale um, welche über den Sehnerv an das Gehirn geleitet werden. Dort entsteht dann der Farbeindruck und es setzt sich das Bild zusammen, welches wir sehen. Die Zapfenzellen unterscheiden sich wiederum nach der Wellenlänge des Lichts: 

  1. S-Zapfen sind für die Farbe Blau verantwortlich 
  2. L-Zapfen sind für die Farbe Rot verantwortlich 
  3. M-Zapfen sind für die Farbe Grün verantwortlich 

Und durch das Zusammenwirken dieser Grundfarben kann bei voller Funktionsfähigkeit der Zellen jede beliebige Farbe in jeder denkbaren Nuance entstehen. Kommt es nun aber bei einer Art von Zapfenzelle – oder gar bei mehreren – zu Störungen, ist die gesamte Farbwahrnehmung beeinträchtigt. 

Ausprägungen von Farbschwachsichtigkeit

Es ist wichtig zu wissen, dass eine Farbsehschwäche unterschiedliche Grade der Ausprägung haben kann, von milden Formen (z.B. rot-schwach) bis zu schweren Fällen (rot-blind), die bis zur Farbenblindheit betreffend aller Farben führen können (totale Farbenblindheit oder auch Achromasie). Bei dieser Form der Farbenblindheit können Menschen die Welt nur in Schwarz, Weiß und Graustufen sehen.

Die häufigsten Formen der Farbenblindheit

Die zwei Hauptformen der Farbsehschwäche sind die Rot-Grün-Sehschwäche und die Blau-Gelb-Sehschwäche. Diese Farbsehstörungen sind genetisch bedingt und betreffen die Fähigkeit einer Person, bestimmte Farben zu unterscheiden. 

Rot-Grün-Sehschwäche:

  • Deuteranomalie (grünblinde Farbsehschwäche): Personen mit dieser Form der Farbsehschwäche haben Schwierigkeiten, zwischen den Farben Grün und Rot zu unterscheiden. Dies ist die häufigste Art von Farbsehschwäche.
  • Protanomalie (rotblinde Farbsehschwäche): Hier besteht eine Beeinträchtigung der Wahrnehmung von Rot, was dazu führt, dass Rot und Grün schwer zu unterscheiden sind.

Blau-Gelb-Sehschwäche:

  • Tritanomalie (blaublinde Farbsehschwäche): Diese Form betrifft die Wahrnehmung von Blau und Gelb. Personen mit Tritanomalie können Schwierigkeiten haben, zwischen diesen beiden Farben zu unterscheiden.

Das Leben mit Farbenblindheit

Farbenblind ist nicht gleich farbenblind. Entscheidend für den Einfluss der Sehstörung ist dessen konkrete Form und Ausprägung. Wer nur eine Farbsehschwäche hat, der wird das im besten Falle im Alltag kaum bemerken. Bei völliger Farbenblindheit kann es wiederum zu Einschränkungen kommen. 

Wie der Alltag sich durch die gestörte Farbwahrnehmung verändert

  • Im Beruf: Menschen, die in Berufen arbeiten, in welchen das Erkennen und Nutzen von Farben entscheidend ist, können einen Nachteil haben. Dazu gehören beispielsweise Grafiker, Maler, Designer oder Logistiker. 
  • In der Bildung: Farbmarkierungen und farbige Schaubilder können die gewünschte Visualisierung des zu Erlernenden nicht vermitteln. Mit steigendem Anteil der digitalen Lehre verschwindet dieser Nachteil, denn auf digitalen Geräten kann die Farbeinstellung per Software angepasst werden. 
  • Im Alltag: Ob beim Autofahren und an der Ampel stehen oder beim Versuch, ein stimmiges Outfit mit passenden Farben zusammenzustellen. 
  • Kommunikation: Das Farbensehen hat auch einen Einfluss darauf, wie gut man Gesichtsausdrücke deuten kann. Das kann im Extremfall soziale Interaktionen erschweren. 
  • Kunst: Kunst wird anders wahrgenommen. Das gilt jedoch nicht nur für Gemälde, sondern auch beim Schauen von Filmen und Videos. 

Tipps gegen die Farbenblindheit:

Die moderne Medizin hat bereits gewisse Hilfsmittel geschaffen, die betroffenen Menschen dabei helfen, das Leben so unbeschwert wie möglich genießen zu können. Insbesondere s.g. Farbfilterbrillen können die Farbsehschwäche bis zu einem gewissen Grad ausgleichen und die Wahrnehmung verbessern. 

Aber auch Applikationen für Smartphones und Computer-Software können die Darstellung so verändern, dass sie auf Farbenblindheit angepasst wird. Im öffentlichen Raum hilft Betroffenen eine durchdachte und gute Beleuchtung. Je klarer das Licht, desto besser können die Farben gesehen und wahrgenommen werden – zumindest bei Farbsehschwäche; nicht jedoch bei Farbenblindheit. 

Farbsehstörungen und Farbenblindheit

Angeborene oder später entwickelte Farbsehstörung:

Am häufigsten wird die Farbsehstörung vererbt. Aber auch im späteren Leben kann es ganz schnell gehen. Statistisch sind deutlich mehr Männer als Frauen von einer Form der Farbenblindheit betroffen. Das liegt daran, dass das defekte Gen über das X-Chromosom vererbt wird – von welchem der Mann eben zwei und die Frau nur eines hat. Dementsprechend liegt die Verteilung bei circa 8 Prozent Männer (in Europa) und nur 0,5 Prozent Frauen (in Europa). 

>Wenn die Farbenblindheit als Erwachsener kommt

Konnten Sie bisher immer alle Farben klar und deutlich sehen. Aber plötzlich gibt es bei bestimmten Farbtönen Probleme und es scheint schwieriger oder gar unmöglich? Farbenblindheit kann auch im Erwachsenenalter auftreten. Die Ursache ist dann jedoch nicht so eindeutig. Warum sich das Farbensehen verschlechtert, ist teilweise noch unklar. In den meisten Fällen kann die Farbsehschwäche jedoch auf eine andere medizinische Ursache zurückgeführt werden: 

  • Altersbedingte Makuladegeneration (AMD): Netzhautveränderungen, die auch die Wahrnehmung von Farben beeinträchtigen können
  • Diabetes 
  • Bestimmte Medikamente 

Da diese Krankheiten vermehrt mit steigendem Lebensalter auftreten, sind in der Schweiz vermehrt ältere Menschen von einer plötzlich im Erwachsenenalter auftretenden Farbenblindheit betroffen. Sobald Sie entsprechende Symptome der Farbenblindheit bemerken, sollten Sie schnellstmöglich die Ursache dafür bei Ihrem Augenarzt abklären lassen. 

Farbsehstörung schon im Kindesalter: Diagnose in frühen Jahren

Wird die Farbsehstörung vererbt, so tritt sie zumeist schon im Kindesalter zu Tage. In der Phase, in welcher das Gehirn lernt, Farben zu erkennen und zu benennen, fällt es Eltern und Erziehern auf: Betroffene Kinder haben massive Probleme, Farben zu unterscheiden und korrekt einzuordnen. Statistisch ist es am wahrscheinlichsten, dass es sich um die Rot-Grün-Schwäche handelt. 

Haben Sie den Verdacht, dass Ihr Kind davon betroffen sein könnte, so sollten Sie nicht zögern und diesen Umstand bei einem Augenarzt oder Optiker abklären lassen. Dort kann eine genaue Diagnose erstellt werden, um dann den richtigen Behandlungsansatz zu finden bzw. Maßnahmen zu ergreifen, die dem Kind beim Leben mit beeinträchtigter Farbwahrnehmung helfen. 

Von Diagnose bis Heilung: Ist die Farbsehstörung behandelbar?

Insbesondere die genetisch bedingte Farbsehschwäche ist bis heute leider nicht so behandelbar, dass sie vollständig geheilt werden kann. Jedoch gewöhnt sich das Gehirn im Laufe des Lebens immer besser an diese Umstände und die meisten Menschen können fast ohne Einschränkungen am Alltag teilnehmen und eine hohe Lebensqualität genießen. 

Kommt die Farbenblindheit jedoch durch eine andere Erkrankung – wie zum Beispiel die altersbedingte Makuladegeneration – so kann sie dadurch gemildert oder sogar vollständig geheilt werden, dass Sie mit einem Augenarzt die Ursache angehen. Wird die Ursache beseitigt, verschwindet meist auch die Farbenblindheit als “Begleiterscheinung”. 

In jedem Fall lohnt sich eine medizinische Abklärung bei einem professionellen Augenarzt und / oder Optiker. Dort können Sie sich auch eine individuell auf Ihre Farbsehschwäche angepasste Brille anfertigen lassen, die für eine bessere Wahrnehmung sorgen kann. 

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Autor:

Dr. Victor Derhartunian

Nachdem er sein Handwerk von den beiden Pionieren der Laserchirurgie gelernt hat, gehört Dr. Victor Derhartunian zu den führenden Chirurgen in Europa. Der leitende Augenchirurg bei EyeLaser in Zürich kann seine Patienten in 5 Sprachen beraten.

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