PresbyMAX®: Präzisionsoptik durch kontrollierte Aberrometrie

Autor: Dr. Victor Derhartunian 3. April 2026

Eine wissenschaftliche Analyse der bi-asphärischen Multifokalität: Die Rolle der sphärischen Aberration (Z4,0), Behandlungsstrategien (Hybrid vs. Monocular) und die Synergie mit wellenfrontgeführter Ablation.

Die Korrektur der Presbyopie (Alterssichtigkeit) auf der Hornhaut ist die optisch anspruchsvollste Disziplin der refraktiven Laserchirurgie. Das System PresbyMAX® (Schwind Amaris) basiert nicht auf einer simplen «Lesezone», sondern auf der komplexen Modulation der Tiefenschärfe (Depth of Focus – DoF).

Dieser Artikel analysiert die physikalischen Grundlagen der induzierten Aberrationen, differenziert die klinischen Strategien (Hybrid vs. Monocular) und beleuchtet, warum die Kombination mit Corneal Wavefront (Cw) Führung entscheidend für die Kontrastsensitivität ist.

Die Physik: Sphärische Aberration als optisches Werkzeug

Das Kernprinzip von PresbyMAX ist die gezielte Induktion von negativen sphärischen Aberrationen (im Zernike-Polynom als dargestellt).

Von der Hyper-Prolatizität zur «Focal Line»

Eine normale Hornhaut ist prolat (im Zentrum steiler als am Rand). PresbyMAX verstärkt diese Form im Zentrum massiv (Hyper-Prolatizität).

  • Der optische Effekt: Lichtstrahlen, die durch das Zentrum eintreten (Nahsicht), werden stärker gebrochen als periphere Strahlen (Fernsicht).
  • Konstruktive Interferenz: Anstatt eines einzigen Brennpunkts (Fokus) erzeugt das Profil eine Kaustik (Brennlinie). Dies dehnt den Schärfebereich entlang der optischen Achse aus. Das Auge hat nun keinen fixen Fokuspunkt mehr, sondern einen erweiterten Schärfetiefenbereich.

Pupillendynamik und Miosis

Das Design ist physiologisch optimiert:

  • Nahsicht: Beim Lesen verengt sich die Pupille (Miosis). Dadurch nutzt das Auge primär das steile Zentrum der Hornhaut (die «Plus-Addition»).
  • Fernsicht: Bei Blick in die Ferne oder Dunkelheit weitet sich die Pupille. Die peripheren, flacheren Bereiche der Hornhaut tragen nun zur Bildgebung bei und dominieren den Seheindruck für die Distanz.

Behandlungsstrategien: Maßgeschneidert statt «One-Size-Fits-All»

Die Wissenschaft hat gezeigt, dass symmetrische Profile (beide Augen gleich) oft zu viel Kontrastverlust in der Ferne verursachen. Daher setzen wir bei EyeLaser auf differenzierte Strategien: Hybrid und Monocular.

PresbyMAX Hybrid (µ-Monovision)

Dies ist der wissenschaftliche Goldstandard für die Mehrheit der Patienten. Es kombiniert die Vorteile der Multifokalität mit einer leichten Anisometropie.

  • Dominantes Auge (Distance-Dominant): Erhält nur eine sehr geringe Induktion von sphärischen Aberrationen und wird auf Emmetropie (0.00 dpt) gezielt. Es sichert die knackige Fernsicht und das Kontrastsehen.
  • Nicht-dominantes Auge (Near-Dominant): Erhält das volle PresbyMAX-Profil (stärkere negative sphärische Aberration) und eine leichte myope Zielrefraktion (ca. -0.75 bis -1.25 dpt).
  • Das Ergebnis: Durch die binokulare Summation im Gehirn verschmelzen die Bildeindrücke. Der Patient hat eine exzellente Fernsicht (durch das dominante Auge) und eine fließende Nahsicht (durch das nicht-dominante Auge), ohne die typischen «Löcher» einer klassischen Monovision.

PresbyMAX Monocular

Diese Strategie ist ideal für emmetrope Presbyope (Menschen, die in der Ferne perfekt sehen und nur eine Lesebrille brauchen) oder Patienten mit sehr hohem Anspruch an die Fernsicht (z.B. Piloten, Berufskraftfahrer).

  • Dominantes Auge: Bleibt unbehandelt (oder wird rein monofokal optimiert). Die natürliche, aberrationsfreie Optik für die Ferne bleibt zu 100% erhalten.
  • Nicht-dominantes Auge: Wird mit PresbyMAX behandelt.
  • Vorteil: Kein Kontrastverlust in der Ferne auf dem Führungsauge.
  • Nachteil: Die Nahleistung ist rein monokular, was eine etwas längere Neuroadaptation erfordern kann.

Die Synergie: Corneal Wavefront (Cw) Guided + PresbyMAX

Dies ist der technologische Gipfel der Behandlung. PresbyMAX induziert gewollte Aberrationen (sphärisch). Wenn das Auge jedoch bereits ungewollte Aberrationen höherer Ordnung (HOAs) wie Koma oder Trefoil besitzt, können sich diese Effekte negativ summieren und die Sehqualität massiv verschlechtern.

Das Prinzip der «sauberen Leinwand»

Stellen Sie sich vor, Sie wollen ein komplexes Bild (PresbyMAX) auf eine Leinwand projizieren. Wenn die Leinwand Falten wirft (bestehende HOAs), wird das Bild verzerrt.

  • Cw-Guided: Der Laser nutzt die präoperativen Daten der Hornhaut-Topographie (Scout/Sirius), um die irregulären Fehler der Hornhaut zu glätten («Regularisierung»).
  • Kombination: In einem einzigen Abtragsprofil korrigiert der Laser die bestehenden Fehler (Koma/Trefoil) UND appliziert das multifokale PresbyMAX-Profil.

Wissenschaftlicher Vorteil: Kontrastsensitivität (CSF)

Jede Multifokalität reduziert physikalisch bedingt den Kontrast (MTF – Modulation Transfer Function).

  • Evidenz: Studien (Arba-Mosquera et al.) zeigen, dass die Kombination mit Cw-Guided diesen Verlust kompensiert. Indem «nutzlose» Aberrationen (Koma) entfernt werden, gewinnt das optische System genug Reserven, um die «nützlichen» Aberrationen (sphärisch für die Nähe) zu tolerieren.
  • Klinische Relevanz: Patienten, die Cw-Guided + PresbyMAX erhalten, berichten über signifikant weniger «Ghosting» (Schattenbilder) und eine bessere Sehqualität bei Dämmerung als Patienten mit Standard-Profilen.

Neuroadaptation: Der zerebrale Filter

Der Erfolg von PresbyMAX (insbesondere Hybrid und Monocular) hängt von der neuronalen Plastizität ab.

  • Suppression und Selektion: Das Gehirn erhält permanent zwei leicht unterschiedliche Bilder. Es muss lernen, das unscharfe Signal (Blur) zu unterdrücken und das scharfe Signal zu priorisieren.
  • Zeitrahmen: Dieser Prozess dauert physiologisch 6 bis 12 Wochen. In dieser Phase sind Schwankungen normal.
  • Prädiktoren: Patienten, die bereits erfolgreich Kontaktlinsen-Monovision getragen haben, adaptieren meist schneller.

Fazit: Individualisierung ist der Schlüssel

PresbyMAX ist kein starres Produkt, sondern ein flexibles Werkzeugkasten-System.

Die Basis: Die Induktion von negativer sphärischer Aberration

  1. Die Strategie: Die Wahl zwischen Hybrid (für maximale Unabhängigkeit) und Monocular (für maximale Fernsicht-Sicherheit) muss individuell auf den Lebensstil abgestimmt werden.
  2. Die Qualität: Die Integration von Corneal Wavefront (Cw) Daten ist essenziell, um die optische Qualität zu maximieren und Nebenwirkungen wie Halos zu minimieren.

Durch diesen hochgradig personalisierten Ansatz bietet PresbyMAX eine wissenschaftlich fundierte Lösung, die weit über einfache «Lese-Laserungen» hinausgeht.


Hinweis: Dieser Artikel dient der vertiefenden medizinischen Information. Die Entscheidung zwischen Hybrid und Monocular sowie die Analyse Ihrer Wellenfront erfolgt bei EyeLaser auf Basi

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Autor:

Dr. Victor Derhartunian

Dr. Victor Derhartunian hat sein Handwerk bei den beiden Pionieren der Laserchirurgie erlernt und gehört heute zu den führenden Chirurgen Europas. Der leitende Augenarzt von EyeLaser in Zürich kann seine Patientinnen und Patienten in 5 Sprachen beraten.

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