TransPRK: Wissenschaftliche Evaluation der transepithelialen Oberflächenablation

Autor: Dr. Victor Derhartunian 19 Januar 2026

Die Transepitheliale Photorefraktive Keratektomie (TransPRK) stellt in der modernen refraktiven Chirurgie einen Paradigmenwechsel dar. Während traditionelle Verfahren (PRK, LASEK) auf eine manuelle oder chemische Entfernung des Epithels setzten, nutzt die moderne TransPRK (oft als Single-Step oder No-Touch bezeichnet) hochfrequente Excimer-Laser, um sowohl das Epithel als auch das Stroma in einem einzigen, kontinuierlichen Prozess zu modellieren.

Dieser Artikel analysiert die wissenschaftlichen Grundlagen dieses Verfahrens, gestützt auf aktuelle Daten aus PubMed-gelisteten Studien, mit Fokus auf die physiologischen Vorteile gegenüber lamellären Verfahren (wie LASIK).

Reverse Single-Step Ablation

Der entscheidende Unterschied der modernen TransPRK (insb. auf Plattformen wie Schwind Amaris) ist die „Reverse Single-Step Ablation“.

Das Epitheliale Dickenprofil (Epithelial Thickness Profile)

Frühere Laser-Generationen gingen fälschlicherweise davon aus, dass das Hornhautepithel eine gleichmäßige Dicke aufweist. Hochauflösende OCT-Studien (Optische Kohärenztomografie) belegen jedoch, dass das Epithel wie ein Meniskus wirkt: Es ist im Zentrum dünner (ca. 53–55 µm) und verdickt sich zur Peripherie hin (ca. 60+ µm).

  • Die wissenschaftliche Lösung: Moderne TransPRK-Algorithmen verwenden populationsbasierte oder individuelle epitheliale Dickenprofile. Der Laser kompensiert diese Differenzen automatisch.
  • Der Vorteil: Dies verhindert refraktive Überraschungen, die entstehen würden, wenn man das Epithel als flache Scheibe behandeln würde (Vermeidung von induzierten sphärischen Aberrationen).

Thermische Kontrolle und Dehydrierung

Da das Stroma vor der vollständigen Entfernung des Epithels bereits teilweise bearbeitet wird (im Übergang), wird die Zeit, in der das Stroma der Umgebungsluft ausgesetzt ist, minimiert. Dies reduziert die stromale Dehydrierung. Da der Wassergehalt der Hornhaut die Absorptionsrate des Laserlichts beeinflusst, führt eine konstante Hydratation zu präziseren refraktiven Ergebnissen als bei der klassischen PRK, wo das Stroma nach Alkoholapplikation oft länger freiliegt.

Biomechanik und korneale Integrität

Ein Hauptargument für die TransPRK in der wissenschaftlichen Literatur ist die Erhaltung der biomechanischen Stabilität der Hornhaut (Corneal Hysteresis und Corneal Resistance Factor).

  • Kein Flap-Trauma: Bei der LASIK werden durch den Flap-Schnitt die vertikalen Kollagenfasern im anterioren Stroma durchtrennt. Studien zeigen, dass das anteriore Stroma (die vorderen 40%) die höchste Zugfestigkeit besitzt.
  • Evidenz: Eine Studie von Luger et al. zeigte, dass die Oberflächenablation (PRK/TransPRK) die biomechanische Stabilität der Hornhaut signifikant weniger beeinträchtigt als LASIK oder SMILE.
  • Klinische Konsequenz: Das Risiko einer iatrogenen Keratektasie (pathologische Vorwölbung der Hornhaut) ist bei der TransPRK statistisch am geringsten, was das Verfahren zur Methode der Wahl bei grenzwertig dünner Hornhaut macht.

Visuelle Rehabilitation und Wundheilung

Die Heilung nach TransPRK verläuft in biologisch definierten Phasen. Das Verständnis dieser Phasen ist für das Patientenmanagement essenziell.

Die Zytokin-Kaskade (Tag 0–3)

Jede Verletzung der Hornhaut löst eine Freisetzung von Zytokinen und Wachstumsfaktoren (IL-1, TGF-beta) aus, die die Keratozyten im Stroma aktivieren.

  • Unterschied zur manuellen PRK: Bei der manuellen PRK führt die Applikation von Ethanol (20%) zu einer massiven Apoptose (Zelltod) der Keratozyten und einer stärkeren Entzündungsreaktion.
  • TransPRK Vorteil: Da der Laser das Gewebe „kalt“ abträgt (Photoablation) und kein chemischer Stress induziert wird, ist die Entzündungsreaktion (Inflammation) geringer. Studien (Celikkol et al.) zeigen eine schnellere Re-Epithelisierung und weniger Schmerzmediatoren bei der mechanikfreien Entfernung.

Der „Smoothing“-Effekt und Visusanstieg

Moderne Laser nutzen Technologien (z.B. SmartPulse), die eine dreidimensionale Glättung der Hornhautoberfläche bewirken.

  • Ergebnis: Das Stroma ist nach der TransPRK mikroskopisch glatter als nach einer manuellen PRK (wo Instrumente Kratzer hinterlassen können).
  • Statistik: Dies führt zu einem schnelleren Anstieg des UDVA (Uncorrected Distance Visual Acuity) in den ersten 7 Tagen im Vergleich zur klassischen PRK.

Komplikationsmanagement: Evidenzbasierte Protokolle

Haze (Subepitheliale Fibrose)

Haze ist eine Trübung, verursacht durch die Transformation von Keratozyten in lichtstreuende Myofibroblasten.

  • Prophylaxe: Der intraoperative Einsatz von Mitomycin C (MMC) 0,02% ist wissenschaftlicher Standard. MMC ist ein Zytostatikum, das die DNA-Replikation der Myofibroblasten hemmt.
  • Datenlage: Meta-Analysen bestätigen, dass bei prophylaktischer MMC-Gabe das Risiko für klinisch signifikanten Haze bei moderater Myopie auf < 1% sinkt.

Postoperative Schmerzmanagement

Der Schmerz entsteht durch freiliegende Nervenenden des Plexus subbasalis.

  • Therapie: Der Einsatz von gekühlter BSS-Lösung (Balanced Salt Solution) am Ende der OP reduziert die Freisetzung von Schmerzmediatoren. Zusätzlich werden topische NSAIDs (Nichtsteroidale Antirheumatika) verwendet.
  • Vergleich: Patienten berichten bei TransPRK oft über geringere Schmerz-Scores als bei Alkohol-PRK, da der Epitheldefekt exakt auf die Ablationszone begrenzt ist und nicht darüber hinausgeht (kleinere Wundfläche).

Langzeitergebnisse und Optische Qualität

Aberrationen höherer Ordnung (HOAs)

Ein kritischer Aspekt der Sehqualität ist die Induktion von Aberrationen (Streulicht, Halos).

  • Studienlage: Vergleichende Studien (Wen et al., Journal of Ophthalmology) zeigen, dass die TransPRK im Vergleich zur LASIK tendenziell weniger Aberrationen höherer Ordnung induziert, insbesondere Koma und sphärische Aberrationen. Dies liegt an der fehlenden Flap-Kante und der physiologischen Anpassung des Epithels.

Trockenes Auge (Dry Eye Disease – DED)

  • Pathophysiologie: Bei der LASIK werden die kornealen Nerven durchtrennt, was den Feedback-Loop der Tränenproduktion unterbricht.
  • TransPRK: Da nur die oberflächlichen Nervenendigungen betroffen sind und keine tiefen stromalen Nervenstämme durchtrennt werden, erholt sich die korneale Sensibilität signifikant schneller. Der OSDI-Score (Ocular Surface Disease Index) kehrt bei TransPRK-Patienten schneller auf das präoperative Niveau zurück.

Zusammenfassung der Indikation

Basierend auf der aktuellen Datenlage ist die TransPRK wissenschaftlich präferiert bei:

  1. Dünner Pachymetrie: Maximale Gewebeersparnis (kein Flap-Verlust von ca. 100–120 µm).
  2. Hohem biomechanischen Anspruch: Kontaktsportarten, Militär, Polizei (keine Flap-Dislokationsgefahr).
  3. Anatomischen Besonderheiten: Tiefliegende Augen oder enge Lidspalten, die das Andocken eines Femto-Lasers erschweren würden (da TransPRK berührungslos ist).
  4. Prävention von Dry Eye: Patienten mit präexistenter leichter Trockenheit.

Ausgewählte wissenschaftliche Referenzen (PubMed)

  1. Fadlallah A et al. Transepithelial photorefractive keratectomy: Clinical results. J Cataract Refract Surg. 2011. (Vergleich der Sicherheitsprofile).
  2. Luger MH et al. Corneal stability after PRK and LASIK. (Biomechanische Langzeitstudien).
  3. Arbelaez MC et al. Clinical outcomes of corneal wavefront-guided transepithelial PRK… J Refract Surg. (Analyse der Aberrationen höherer Ordnung).
  4. Baz O et al. Alcohol-assisted versus transepithelial photorefractive keratectomy… (Vergleich der Wundheilung und Schmerz-Scores).
  5. Adib-Moghaddam S et al. TransPRK: A review of clinical outcomes, complications, and management. (Umfassende Meta-Analyse).

Dieser Artikel wurde unter Berücksichtigung aktueller ophthalmologischer Forschung erstellt und dient der vertiefenden Information für Patienten von EyeLaser.ch.

author image

Autor:

Dr. Victor Derhartunian

Dr. Victor Derhartunian hat sein Handwerk bei den beiden Pionieren der Laserchirurgie erlernt und gehört heute zu den führenden Chirurgen Europas. Der leitende Augenarzt von EyeLaser in Zürich kann seine Patientinnen und Patienten in 5 Sprachen beraten.

Welche Laserbehandlung ist die richtige für ihre Augen? – 1-minütigen Selbsttest durchführen

Dinge wie Alter, Augenform, Vorgeschichte und Lebensstil machen eine Augenbehandlung perfekt für die eine Person, aber nicht für eine andere. Finden Sie heraus, welche Behandlung (wenn überhaupt) Sie von Brille und Kontaktlinsen befreien könnte.

Quiz durchführen