Wie entwickelt sich die Sehkraft nach der Augenlaser-OP?

Autor: Dr. Victor Derhartunian 23 Juni 2021

Hand aufs Herz: Wer sich für eine Augenlaser-OP entscheidet, hat meistens diesen einen Film im Kopf. Man wacht am nächsten Morgen auf, schlägt die Augen auf und – zack – alles ist gestochen scharf. Wie durch ein Wunder.

In der Realität ist der Heilungsprozess aber kein Hollywood-Film, sondern reine Biologie. Und Biologie lässt sich nicht hetzen. Dr. Victor Derhartunian erlebt es in seiner Zürcher Praxis immer wieder: Patienten sitzen am Tag nach der OP auf dem Stuhl und sind nervös, weil der Blick noch etwas „milchig“ ist oder schwankt. Wir können Sie beruhigen: Das ist kein Fehler im System, sondern ein völlig normaler Teil Ihrer Reise. Ihr Auge muss sich erst an das neue Sehen gewöhnen.

Was erfahren Sie in diesem Text?

  • Muss ich sofort nach der OP perfekt sehen können?Nein, entspannen Sie sich – die Sehkraft muss unmittelbar nach dem Eingriff und bei der ersten Kontrolle noch keine 100 % erreichen.
  • Warum sehe ich am ersten Tag vielleicht noch verschwommen?Das liegt meist an einer harmlosen Schwellung der Hornhaut und einem Tränenfilm, der kurzzeitig etwas durcheinandergeraten ist.
  • Wann kann ich mit dem stabilen Endergebnis rechnen?Da Ihr Auge lebendes Gewebe ist, erwarten wir das finale, absolut stabile Ergebnis erst nach einigen Wochen.
  • Können sich meine Werte nach der OP noch ändern?Ja, auch nach Monaten kann sich an den Dioptrien-Werten noch minimal etwas tun, bis die Wundheilung komplett abgeschlossen ist.
  • Wann beurteilt der Arzt den Erfolg abschließend?Wir ziehen den Schlussstrich unter das Ergebnis erst nach mehreren Monaten, wenn sich Hornhaut und Tränenfilm vollständig erholt haben.

Die unmittelbare Phase nach der Operation

Sie haben es geschafft, der Eingriff liegt hinter Ihnen. Der erste Blick auf das Smartphone ist oft schon ein «Wow»-Erlebnis im Vergleich zu vorher, aber vielleicht fehlt noch der letzte Feinschliff zur «4K-Qualität».

Der erste Tag: Warum verschwommenes Sehen normal ist

Wenn Sie zur ersten Kontrolle zu uns kommen, schauen wir primär auf eines: Sieht die Wundheilung gut aus? Ob Sie schon die kleinste Zeile auf der Sehtafel entziffern können, ist an Tag eins zweitrangig.

Es kommt vor, dass die Welt noch etwas verschwommen wirkt oder wie durch einen leichten Nebel. Bitte geraten Sie deshalb nicht in Panik. Das ist nicht das Endergebnis. Ihr Auge hat gerade einen Marathon hinter sich und muss erst einmal durchatmen.

Die biologischen Ursachen: Hornhaut und Tränenfilm

Aber warum ist das eigentlich so? Stellen Sie sich eine hochwertige Kamera vor: Wenn die Linse beschlagen ist, nützt der beste Sensor nichts.

Nach der Behandlung ist die Hornhaut oft mikroskopisch leicht geschwollen (ein sogenanntes Ödem). Das verzerrt die Lichtbrechung minimal. Zudem ist der Tränenfilm – quasi die allererste Linse Ihres Auges – in seiner Zusammensetzung verändert und oft trockener als sonst.

Ein instabiler Tränenfilm bricht das Licht unregelmäßig. Das fühlt sich dann optisch fast so an, als hätten Sie kurzzeitig eine https://eyelaser.ch/hornhautverkruemmung-astigmatismus/ Einmal blinzeln, und das Bild ist scharf; noch einmal blinzeln, und es ist wieder unscharf. Das ist völlig normal und gibt sich wieder.

Experten-Meinung von Dr. Victor Derhartunian:

«Ich vergleiche die Heilung gerne mit einem verstauchten Knöchel. Niemand käme auf die Idee, am nächsten Tag wieder einen Sprint-Rekord aufzustellen. Auch die Hornhaut braucht ihre Zeit, um abzuschwellen. Wenn Sie am ersten Tag noch nicht perfekt sehen, heißt das nicht, dass der Laser nicht funktioniert hat. Es heißt nur, dass Ihr Körper noch arbeitet. Geben Sie ihm diese Zeit.»

Der Weg zum stabilen Endergebnis

Geduld ist wahrscheinlich die schwerste Übung an der ganzen Behandlung. Aber sie lohnt sich.

Veränderungen in den ersten Monaten

Das Auge ist kein Stück Plastik, das wir einmal schleifen und das dann starr so bleibt. Es ist lebendiges Gewebe.

In den Wochen und sogar Monaten nach der OP findet ein echtes „Feintuning“ statt. Die Dioptrien-Werte können sich in dieser Zeit noch minimal verschieben. Auch Ihr Gehirn muss erst lernen, die neuen visuellen Eindrücke richtig zu verarbeiten. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie in Woche drei das Gefühl haben, an einem Tag super zu sehen und am nächsten Tag etwas schlechter. Solche „Bad Eye Days“ gehören dazu.

Wann erfolgt die endgültige Beurteilung?

Weil diese Schwankungen so typisch sind, ziehen wir kein vorschnelles Fazit. Wir beurteilen das endgültige Ergebnis erst nach Monaten.

Erst wenn der Tränenfilm stabil steht wie eine Eins und die Hornhaut ihre finale Form angenommen hat, machen wir den «Kassensturz». Sollte dann tatsächlich noch eine kleine Restfehlsichtigkeit bestehen, korrigieren wir diese. Aber erst dann, wenn Ruhe eingekehrt ist.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Darf ich am Computer arbeiten, auch wenn ich noch verschwommen sehe?

Ja, klar. Sie machen damit nichts kaputt, es ist nur anstrengender für den Kopf. Gönnen Sie sich öfter Pausen und nutzen Sie Ihre Befeuchtungstropfen („künstliche Tränen“), da man am Bildschirm automatisch weniger blinzelt.

Warum sehe ich morgens schlechter als abends?

Das liegt oft am «Schlafmodus» Ihrer Augen. Nachts produzieren wir weniger Tränenflüssigkeit, und die Lider „kleben“ leicht auf der Hornhaut. Nach dem Aufstehen, ein paar Mal blinzeln und dem ersten Tropfen wird die Sicht meist schnell klarer.

Wann stabilisiert sich die Sicht komplett?

Das kommt auf die Methode an. Bei der LASIK geht es oft sehr flott (wenige Wochen), bei Oberflächenverfahren wie der TransPRK kann es durchaus bis zu drei Monate dauern, bis die absolute Stabilität erreicht ist.

Was kann ich tun, um die Heilung zu beschleunigen?

Halten Sie sich strikt an den Tropfplan! Auch wenn sich die Augen super anfühlen: Tropfen Sie weiter. Und ganz wichtig: Reiben Sie in den ersten Wochen nicht an den Augen, meiden Sie Staub und Zugluft.

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Autor:

Dr. Victor Derhartunian

Dr. Victor Derhartunian hat sein Handwerk bei den beiden Pionieren der Laserchirurgie erlernt und gehört heute zu den führenden Chirurgen Europas. Der leitende Augenarzt von EyeLaser in Zürich kann seine Patientinnen und Patienten in 5 Sprachen beraten.

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