Werde ich nach einer Augenlaserbehandlung null Dioptrien erreichen?

Autor: Dr. Victor Derhartunian 23 Juni 2021

Es ist der klassische Wunsch, den wir in unserer Praxis in Zürich fast täglich hören: „Herr Doktor, ich will auf null Komma null kommen.“ Das ist nur allzu verständlich. Wenn Sie jahrelang auf Sehhilfen angewiesen waren, klingt die „Null“ wie der Heilige Gral.

Aber lassen Sie uns mal ganz offen sprechen: Ist die „perfekte Null“ wirklich das, was glücklich macht? Oder jagen wir da einem Phantom hinterher? Dr. Victor Derhartunian klärt auf, warum Ihr subjektives Seherlebnis viel wichtiger ist als das, was auf einem Messgerät steht – und warum „Brillenfreiheit“ das eigentlich magische Wort ist.

Was erfahren Sie in diesem Text?

  • Kann man nach dem Lasern garantiert 0,0 Dioptrien erreichen?Da Dioptrien-Messungen natürlichen Schwankungen unterliegen, ist das Erzielen einer mathematisch exakten Null nicht immer möglich oder messbar.
  • Was ist das wichtigste Ziel der Behandlung?Viel wichtiger als der numerische Wert ist ein subjektiv hervorragendes Sehvermögen und die komplette Unabhängigkeit von Brille oder Kontaktlinsen.
  • Sind meine Augenwerte immer konstant?Nein, unser Auge ist lebendiges Gewebe, weshalb Messwerte je nach Tageszeit und Tränenfilm leicht variieren können.
  • Was passiert, wenn eine kleine Reststärke bleibt?Winzige Abweichungen sind möglich, beeinträchtigen Ihre Zufriedenheit im Alltag aber in den allermeisten Fällen überhaupt nicht.
  • Wann gilt die Operation als erfolgreich?Erfolgreich ist die OP dann, wenn Sie Ihren Alltag – vom Autofahren bis zum Lesen – ohne Sehhilfen genießen können.

Warum die „glatte Null“ ein theoretischer Wert ist

Stellen Sie sich vor, Sie steigen morgens auf die Waage. Sie zeigt 75,0 kg. Abends steigen Sie wieder drauf: 75,4 kg. Sind Sie dicker geworden? Nein. Sie haben gegessen, getrunken, geschwitzt. Genauso verhält es sich mit Ihren Augen.

Die Tücke der Technik: Schwankungen bei Messungen

Die Annahme, dass unser Auge ein starres optisches Instrument aus Glas ist, ist ein Irrtum. Dr. Victor Derhartunian betont immer wieder: „Es ist kaum möglich, absolut fixe Null-Werte zu garantieren, weil schon die Messung selbst nur eine Momentaufnahme ist.“

Faktoren wie Ihr Tränenfilm, Ihre Müdigkeit oder sogar der Blutzuckerspiegel können die Messung um eine Viertel-Dioptrie (0,25 dpt) schwanken lassen. Wenn wir Sie dreimal hintereinander messen, erhalten wir oft drei minimal unterschiedliche Ergebnisse. Die „glatte Null“ ist also eher ein statistischer Mittelwert als eine in Stein gemeißelte Realität.

Was wirklich zählt: Lebensqualität vor Zahlen

Mal ehrlich: Wollen Sie ein Blatt Papier, auf dem „0,00 dpt“ steht, oder wollen Sie den Adler am Himmel scharf erkennen?

Hervorragendes Sehen statt mathematischer Perfektion

Es klingt paradox, aber: Man kann mit 0,0 Dioptrien unzufrieden sein (z. B. wegen trockener Augen) und mit -0,5 Dioptrien der glücklichste Mensch der Welt sein.

Vielleicht ist es wichtiger, ein subjektiv hervorragendes Sehvermögen zu erreichen. Das bedeutet: Kontraste sind scharf, Farben leuchten, und Sie fühlen sich sicher. In der Augenheilkunde nennen wir das den „Visus“ (Sehleistung). Viele unserer Patienten erreichen einen Visus von 100 % oder sogar 120 %, obwohl das Messgerät vielleicht noch minimale -0,25 Dioptrien anzeigt.

Experten-Meinung von Dr. Victor Derhartunian:

«Patienten fragen mich oft nach Zahlen. Ich antworte dann: ‚Ich behandle keine Dioptrien, ich behandle Menschen.‘ Mein Ziel ist nicht, eine Maschine zufrieden zu stellen, sondern Sie. Wenn Sie ohne Brille Sport treiben, Auto fahren und am Computer arbeiten können und sich dabei frei fühlen – dann haben wir das perfekte Ergebnis erreicht. Ob da technisch noch eine 0,25 versteckt ist, wird Sie im Alltag gar nicht interessieren.»

Das eigentliche Ziel: Absolute Brillenfreiheit

Das Wort, das Sie sich merken sollten, ist nicht „Null“, sondern Brillenfreiheit.

Warum kleine Abweichungen kein Problem sind

Nach einer modernen Augenlaser-Behandlung (wie LASIK, TransPRK oder SmartSight) sollten Sie im Alltag keine Sehhilfe mehr benötigen. Das ist der Maßstab.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Heißt 0,0 Dioptrien automatisch 100 % Sehkraft?

Nicht unbedingt. Dioptrien geben nur den Brechwert des Auges an. Die Sehkraft (Visus) beschreibt die Auflösungsfähigkeit. Man kann 0 Dioptrien haben und trotzdem schlecht sehen (z. B. bei einer angeborenen Schwachsichtigkeit). Umgekehrt kann man mit leichten Dioptrien-Werten oft über 100 % sehen.

Was mache ich, wenn mich eine kleine Reststärke doch stört?

Sollte tatsächlich eine Restfehlsichtigkeit bleiben, die Sie im Alltag stört (was selten vorkommt), lassen wir Sie natürlich nicht im Regen stehen. Nach einer Stabilisierungsphase können wir fast immer eine unkomplizierte Nachkorrektur („Enhancement“) durchführen, um den Restfehler zu beheben.

Kann sich das Ergebnis nach Jahren wieder verschlechtern?

Das gelaserte Gewebe wächst nicht nach. Was weg ist, ist weg. Allerdings verändert sich die Linse im Inneren des Auges im Laufe des Lebens (Alterssichtigkeit ab ca. 45 Jahren). Das ist ein natürlicher Prozess, der nichts mit dem Laser zu tun hat.

Ist das Ziel bei jedem Patienten 0 Dioptrien?

Meistens ja. Es gibt aber Ausnahmen: Bei der sogenannten Monovision zielen wir absichtlich darauf ab, ein Auge auf 0 zu lasern (für die Ferne) und das andere leicht kurzsichtig zu lassen (für die Nähe). So können Patienten ab 45 oft auf eine Lesebrille verzichten. Hier ist „nicht null“ also sogar der Schlüssel zum Erfolg.

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Autor:

Dr. Victor Derhartunian

Dr. Victor Derhartunian hat sein Handwerk bei den beiden Pionieren der Laserchirurgie erlernt und gehört heute zu den führenden Chirurgen Europas. Der leitende Augenarzt von EyeLaser in Zürich kann seine Patientinnen und Patienten in 5 Sprachen beraten.

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